Standuhr

Während vor allem Wanduhren schon zu sehr geringen Preisen erhältlich sind, ist die Standuhr ein besonders wertvoller Zeitmesser. Man kann Standuhren sogar schon als eigenständiges Möbelstück bezeichnen, das sich optimal in die Einrichtung integrieren lässt. Heutzutage sind Standuhren nicht mehr so häufig in den deutschen Wohnungen zu finden, da sie teilweise als altmodisch gelten und ein sehr massiges und dunkles Äußeres besitzen, doch bis noch vor 50 Jahren galten Standuhren als Statussymbol und verkörperten Prestige und Eleganz. In vielen Eingangsbereichen und Wohnzimmern standen stämmige Uhren die vor allem durch üppige Schnitzereien ehrfürchtig wirkten.

Die Geschichte der Standuhr beginnt rund um das Jahr 1600. Nachdem Galileo Galilei 1581 die Pendeltheorie, die besagt, dass die Schwingungszeit eines Pendels nur von seiner Länge abhängt, aufstellte, war die Geburtsstunde der Pendeluhr gekommen. Mit ihr kam es auch zur Entstehung der Standuhr, die meist mit der Pendelmechanik funktionieren. Die erste Pendeluhr baute Christiaan Huygees 1658 und revolutionierte damit das gesamte Uhrenhandwerk. Die Pendeluhren beziehungsweise Standuhren galten für die damalige Zeit als besonders genaue Zeitmesser.

Doch den eigentlichen Grundstein für die heutige Standuhr setzte Georg Graham zu Beginn des 18. Jahrhunderts. Er und John Harrison erfanden unabhängig von einander das temperaturkompensierte Pendel, das über eine noch höhere Genauigkeit verfügte, denn durch Temperaturveränderungen entstanden Längenveränderungen des Pendels, die jetzt ausgeglichen werden konnten. Weitere einschneidende Veränderungen kamen in der Mitte des 19. Jahrhundert durch das elektromagnetische Pendel auf und im 20. Jahrhundert durch die Quarzuhren. Mit den Jahren und den sich ständig ändernden technischen Bedingungen, unterlag auch die Standuhr einigen Umbrüchen. Ob im Bereich der Technik, die die Uhr antreibt, oder wenn es das Material betrifft. Die meisten Standuhren-Gehäuse sind aus Holz gefertigt, dabei wird vor allem das Holz der Erle und des Nussbaums genutzt. Mittlerweile werden manche Modelle auch aus Glas oder Metall gefertigt. Holz ist allerdings besonders im Hinblick auf Verzierungen und Schnitzereien besonders gut geeignet. Je nach belieben gibt es Standuhren die spezielle Stilrichtungen, wie zum Beispiel Barock, den Jugendstil oder Chippendale verkörpern. Modischere Modelle lassen sich auch in knalligen Farben und moderneren Materialien finden.

Ein typisches Merkmal vieler Standuhren ist das Klang zu jeder Viertel- und vollen Stunde. So können unter anderem Tonfolgen ertönen, wie das Westminsterklingeln, das seit 1793 in der Universitätskirche von Cambridge und seit Mitte des 19. Jahrhunderts in der Turmuhr des Palace of Westminster erklingt. Sehr beliebt sind auch Die Melodien Whittington, Bim Bam oder auch des Ave Maria. Damit der Klang der Standuhr auf Dauer nicht langweilig wird, verfügen einige Standuhr-Modelle auch über mehrere Tonfolgen, die beliebig eingestellt werden können.

Standuhren sind heute außergewöhnliche Dekorationsartikel, denn in herkömmlichen Wohnungen sind Standuhren meist selten zu finden. Sie waren und sind es vereinzelt heute noch sehr wertvolle Erbstücke, die von Generation zu Generation weitergegeben werden. Bei guter Pflege überzeugen diese Uhren durch ihre Langlebigkeit.