Kübelpflanzen

Schon im Altertum wurden Pflanzen in großen Tongefäßen oder in hölzernen Kästen gezogen und in Gärten und Höfen aufgestellt. Mit dem Aufblühen der Gartenkunst diesseits der Alpen setzte sich erst um 1650 allgemein der Brauch durch, Pflanzen südlicher Herkunft in Kübeln zu ziehen. Aber schon seit dem Anfang des 16. Jh. pflanzte man Orangen und Zitronen in einem besonderen Gartenteil aus und umbaute sie im Herbst mit einem Haus aus Brettern. Erstaunlich ist, dass bereits während des 17. und 18. Jh. große Orangenbäume, aber auch manche andere Pflanzen aus Italien importiert wurden, und zwar teils auf dem Seeweg über Amsterdam und wohl auch Hamburg, teils aber auch auf dem Landweg.

Wie schon damals bedarf es auch heute zur richtigen Pflege einer größeren Sammlung von Kübelpflanzen tüchtiger Gärtner, von deren Können alles abhängt. Wie bei den japanischen Bonsais handelt es sich bei vielen Kübelpflanzen um Gewächse, die nicht nur Jahrzehnte, sondern hundert und mehr Jahre überdauern sollen. Bei jedem, der sie pflegt, ist Erfahrung, Einfühlungsvermögen, Liebe und Geduld die erste Voraussetzung. Dass es auch heute noch solche Gärtner gibt, davon zeugen die Orangerien ehemals fürstlicher Gärten mit ihren Beständen alter Kübelpflanzen. Aber auch so mancher alter Myrtenbusch oder Granatapfelbaum, der seit hundert und mehr Jahren im Besitz der gleichen Familie befindet, legt Zeugnis ab von der Liebe und dem Verständnis ihrer ehemaligen und heutigen Pfleger.

So wenig wie Agaven und Feigenkakteen, die für den Reisenden einen typischen Bestandteil der Mittelmeerflora bilden, dort heimisch sind, so wenig sind es auch Orangen und Zitronen. Ihre Urheimat liegt wahrscheinlich im wärmeren Asien. Von dort kam als erste Citrus-Art die Zitronat-Zitrone, Citrus Medica, nach Griechenland und in andere Länder des östlichen Mittelmeeres. Wohl zur Zeit Alexanders brachten sie die Griechen mit in ihre Heimat, ihre Kultur hatten sie bei den Persern kennengelernt.